Montag, August 09th, 2010 | Autor:

In letzter Zeit stolpere ich immer wieder über Blogbeiträge die über das Ende der Bücher aus Papier diskutieren. Manche gehen sogar so weit das Ende als gegeben anzusehen und sehen als einzig offene Frage den Zeitpunkt. Es wird in all diesen Beiträgen darüber diskutiert wie gut zu handhaben Ebook-Reader sind, was sie kosten, wieviele Bücher man darauf zur gleichen Zeit speichern kann, wie lange die Batterien halten und natürlich darüber wie angenehm es ist damit im Bett oder auf der Couch zu lesen. Auf mehr will ich hier gar nicht eingehen denn es geht mir in diesem Artikel um die Elemente die in der Diskussion fehlen.

Mit dem Aufkommen des EBooks wurden Ängste auf Seiten der Verlage, Autoren und Händler geweckt. Ängste, das hier das gleiche geschehen könnte wie auf dem Musikmarkt. In dem die Bücher in digitalisierter Form vertrieben werden sind sie auch leicht zu kopieren, im Gegensatz zum Buch aus Papier. Das führt dazu das als erstes über DRM-Systeme diskutiert wurde die genau das verhindern sollen. So kam es zum Beispiel zu dem grotesken Vorfall das Amazon, nachdem es Probleme mit den Urheberrechten / Verlagsrechten eines Buches gab, dieses kurzerhand von den Kindle-Geräten seiner Kunden gelöscht hat obwohl diese das Buch offiziell gekauft hatten.

Das bringt mich auch schon zu dem was mir nicht gefällt an Ebooks:

  • Die meisten Privatleute sind nicht in der Lage ein ausreichendes Datensicherungskonzept für ihre privaten Daten zu implementieren. Gut zu sehen ist das bei den Fotos von den Digitalkameras. Hier kommt es immer wieder vor das bei z.Bsp. einem Platten-Crash die gesamten Familienaufnahmen der letzten zwei Jahre verloren gehen. Warum sollte das bei den digitalen Büchern anders sein? Ein Buch, geschweigendenn viele Bücher, sind schwerer zu verlieren.
  • Wenn sie mit DRM ausgestattet sind ist nicht garantiert das ich das Buch auch in 20 Jahren noch lesen kann da zu diesem Zeitpunkt das Zertifikat nicht mehr gültig ist, die Server des Buchhändlers nicht mehr verfügbar sind oder sonstige Mechanismen nicht mehr funktionieren.
  • Ein Buch aus Papier kann ich anderen Menschen problemlos ausleihen, an sie verschenken oder es sogar über bookcrossing freilassen. Selbst wenn das EBook nicht DRM geschützt wäre würde ich es kaum in gleicher Form behandeln können. Gut sichtbar wurde dieses für mich mit einem Computerspiel das ich online gekauft und lediglich heruntergeladen hatte. Obwohl der Weiterverkauf des Spiels ausdrücklich erlaubt ist war es mir nicht möglich es auf Ebay zu verkaufen da Ebay das nicht zulässt (sie können an der Stelle eine illegale Kopie nicht von einem legalen Verkauf unterscheiden). Und vor genau diesem Problem werden auch andere stehen. Möglichkeiten dieses Problem zu lösen laufen fast zwangsläufig auf DRM und eine Datensammlung hinaus die protokolliert wann wer welche Kopie gekauft, weitergegeben oder verkauft hat. Sehr kritisch meiner Ansicht nach.
  • Ich kann, bisher, EBooks nicht anonym erwerben. Während ich im Buchladen an der Ecke durchaus ein Buch kaufen kann (wenn ich es bar bezahle) ohne das dieses registriert wird. Und die Information darüber welche Bücher ich lese ist durchaus höchst interessant für Rasterfahndungen etc.

Als Fazit bleibt für mich das mir EBooks zwar einiges ermöglichen (alle frei verfügbaren Bücher aus dem Projekt Gutenberg herunterzuladen und komfortabel zu lesen oder meine gesamten Fachbücher dabei und verfügbar zu haben) aber dafür auch sehr sehr viel nehmen. Nämlich die Möglichkeit frei über das zu Verfügen was ich gekauft habe. Wenn ich das Buch nicht mehr verschenken, verleihen, verkaufen oder freilassen kann dann gehört es mir wohl auch nicht. Dann stellt sich allerdings die Frage ob man das ganze überhaupt noch als Kauf bezeichnen darf. Von daher sehe ich für mich hier eher eine Mischung. Freie Bücher, Artikel, Zeitungen auf dem EBook-Reader (wenn ich mir einen kaufe) aber alles was mehr kostet oder das ich behalten möchte als Papier.

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Eine Antwort

  1. […] vorstellen. Ich finde das passt ganz gut zu einem meiner früheren Beiträge “EBook? Schlechte Idee!?” und es wurd einfach einmal Zeit für so etwas. Allerdings würden mir da noch ein […]

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