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Samstag, Dezember 11th, 2010 | Author: Robert

Gerade eben bin ich über ein neues “Anymous-Video” gestolpert. Die sogenannte Anonymous-Bewegung hat in der letzen Zeit in der Kontroverse rund um Wikileaks für ein ziemliches Medienecho gesorgt. In gewohnt reißerischer Manier (der Unterschied zur altbekannten Bildzeitung ist für mich schon fast nicht mehr wahrnehmbar) wird da Anonymous zur großen Bedrohung – Terroristenersatz – hochstilisiert. Doch hier erst einmal das Video:

Doch was ist eigentlich anonymous? Im Video wird beschrieben das es keine feste Organisation, Gruppe oder ähnliches ist sondern eine Idee, eine spontane Bewegung. Wer schon einmal von sogenannten Flashmobs gehört hat kann sich vielleicht etwas darunter vorstellen. Es ist eine Bewegung die aus vielen einzelnen Menschen zusammensetzt die zur gleichen Zeit von einer Sache derart stark bewegt werden das es nicht mehr genügt darüber zu diskutieren sondern der Drang etwas zu unternehmen so stark wird das eine mehr oder weniger kollektive Handlung daraus entsteht. Das ist nichts neues. Die meisten Organisationen, Vereine, Bewegungen der Vergangenheit sind so entstanden. Was jedoch relativ neu ist, und in seiner Dimension erst im Internet bekannt, ist das daraus kein fester Verein und keine hierarchische Organisationsstruktur von gleichgesinnten entsteht sondern das im Gegenteil alle einfach handeln, gemeinsam diskutieren und doch jeder für sich handelt. Man sollte nicht meinen das daraus eine koordinierte Aktion entstehen könnte doch genau das passiert in einer höchst demokratischen Art und Weise. Viele Beteiligte beginnen mit Aktionen und viele andere schließen sich einfach an. Aktionen die keine Mitmacher finden verlaufen schnell im Sand und werden oft auch mit Blick auf das höhere gemeinsame Ziel einfach aufgegeben so das am Ende eine von der Mehrheit unterstützte Aktion durchgeführt wird.

Die Anonymous-Bewegung ist im Internet enstanden. Genauer gesagt im Image-Board 4chan. Das image-board ist ein Konzept das ursprünglich aus dem Japanischen stammt. Es ist wie eine Art Forum in das jeder anonym und ohne Anmeldung Beiträge einstellen kann. Im Gegensatz zu einem Forum bleiben Beiträge jedoch nicht auf Dauer gespeichert sondern wandern immer ein Stück nach unten in der Liste wenn ein neuerer Beitrag hinzugefügt wird. Dabei ist das Image-Board so konfiguriert das nur eine begrenzte Anzahl an Beiträgen erhalten bleibt. Erreicht ein Beitrag nun das Ende der Liste weil genügend neuere hinzugefügt wurden so fällt er quasi hinten runter und wird gelöscht. Hauptziel von solchen Image-Boards war und ist, wie der Name schon sagt, das Einstellen und Kommentieren von Bildern und eben nicht nur Text. Die Anonymous-Bewegung trat meiner Erinnerung nach das erste mal in Erscheinung im Kampf gegen Scientology. Wie oben beschrieben handelt es sich aber dabei nicht zwangsweise um die gleichen Leute sondern es ist vielmehr so das lediglich der Name “Anonymous” immer wiederverwendet wird weil er den Ursprung der Bewegung (4chan) und die Art der Aktion (DDOS-Attacke, dazu später mehr) die gleichen sind.

Schlagzeilen hat diese Bewegung in den letzten Tagen sehr viele dadurch gemacht das sie Webseiten angegriffen hat die aus Ihrer Sicht gegen Wikileaks vorgegangen sind und somit gegen die freie Rede und freie Information und das freie Internet. Die Angriffe auf diese Webseiten erfolgten mittels einer sogenannten DDOS-Attacke (Distributed Denial Of Service). Grundsätzlich sehen solche Attacken so aus das innerhalb kurzer Zeit so viele Zugriffe auf eine Webseite erfolgen so das diese überlastet wird und daher für andere nicht mehr erreichbar ist. Am Besten kann man sich das noch als Sitzblockade vor dem Eingang eines Gebäudes vorstellen – dann kommt auch keiner mehr rein. Während die großen Attacken dieser Art, oft auch mit kriminellem Hintergrund, in der Vergangeneheit von sogenannten Botnetzen ausgeführt wurden ist das bei Anonymous anders. Die genannten Botnetze sind viele Rechner die mit einem Virus / Wurm infiziert wurden und ferngesteuert dazu gebracht werden eine bestimmte Adresse abzurufen. Die Anonymous-Bewegung hingegen setzt sich aus vielen Freiwilligen zusammen. Diese sitzen nun nicht dauernd da und laden die Webseite neu sondern benutzen ein Tool (genann LOIC – Low Orbit Ion Canon) bei dem man einstellen kann welche Adresse angegriffen werden soll oder ob das Programm das Ziel aus einem Chat auslesen soll. Dieses Programm führt dann Abfragen in schneller Folge aus. In Summe entsteht dann die Attacke. Das ist deshalb so besonders weil die Teilnehmer dadurch quasi direkt und persönlich an dem Protest / Angriff teilnehmen und oft auch durch ihre IP-Adresse identifizierbar sind. Es hat hier anscheinend bereits mehrere Verhaftungen von Jugendlichen in Europa gegeben.

Nun aber einmal zum Inhalt des Videos. Die Gruppe scheint aus der Beurteilung der Medien gelernt zu haben. So ist zumindest die auschweifende Erklärung über die eigenen Ziele und die Art der Gruppe zu verstehen. Es ist beachtlich welche Medienaufmerksamkeit diese kleine Gruppe (man geht von Teilnehmerzahlen zwischen 3000 und 6000 aus) erreicht hat. Teilweise kam ich mir vor wie im Sommerloch. Während hier immer wieder die Rede von einigen irregeleiteten Jugendlichen ist so lässt das Video doch vermuten das auch ältere und durchaus intelligente Leute daran beteiligt sind. Beachtlich ist das Moment das die Gruppe dieses mal entwickelt hat. Wer schon einmal versucht hat Menschen für eine gemeinsame Sache auf die Straße zu bringen – auch ohne das sie Gefahr laufen eine Straftat zu begehen – weiss wovon ich rede. Da die Teilnehmer in diesem Fall jedoch zusätzlich damit rechnen müssen von den Behörden ihrer Länder belangt zu werden erhält das Engagement eine noch größere Bedeutung. Bedenkt man nun das hier nur die Mitglieder von 4chan involviert sind die bereit sind dieses Risiko einzugehen, zu diesen Zeiten involviert waren und sich gut genug auskennen so muss man davon ausgehen das in der Gesamtbevölkerung eine viel viel höhere Anzahl an Menschen vorhanden ist welche sich, wenn auch insgeheim, den Ansichten der Gruppe anschließen würden.

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Donnerstag, Dezember 09th, 2010 | Author: Robert

Immer mal wieder stolpert man über Zitate längst verstorbener und wundert sich wie wenig deren Aussagen an Aktualität verloren haben. So geht es mir auch mit diesem Zitat von Karl Marx wenn ich an die Wirtschaftskriese denke.

Jeder Aktienschwindler weiß, dass das Unwetter einmal einschlagen muss, aber jeder hofft, dass es das Haupt seines Nächsten trifft. Nach uns die Sintflut, ist der Wahlspruch jedes Kapitalisten.

Ich komme nicht umhin mir die Frage zu stellen ob es wohl generelle Bereiche unserer Gesellschaften gibt die unberührt bleiben von all den großen Fortschritten die wir erreicht haben und, auch wenn ich mir vieles erklären kann, so bleiben doch noch viele ungeklärte Fragen offen. Daher werde ich hier auch nicht weiter darüber schreiben und die wenigen, tapferen, Leser hier mit seitenlangen Ergüssen langweilen :-)