Mittwoch, März 07th, 2012 | Autor:

Gerade eben bin ich über einen Blog-Beitrag gestolpert bei dem ich ein Dejavu hatte. Er enthält einige der Elemente der feministischen Rhetorik an denen ich schon des Öfteren Diskussionen scheitern sah. Allerdings ist diese nicht neu sondern ein recht alter Hut. Diese Art der Rhetorik hat nicht die Diskussion oder die konstruktive Zusammenarbeit zum Ziel sondern die alleinige und blinde Durchsetzung eigener Ziele. Rhetorik dieser Art disqualifiziert die Ausübenden von vornherein als ernstzunehmende Gesprächspartner. Sie sollte, wie andere rhetorische Taktiken, erkannt und vor allem in politischer Diskussion / Arbeit geächtet und unterbunden werden.

Doch nun der Link zum Blog-Eintrag

Kategorie: Die Welt?
Sie können allen Antworten auf diesen Beitrag folgen mittels RSS 2.0 Feed. Sie können eine Antwort hinterlassen , oder einen trackback von Ihrer Seite.

2 Antworten

  1. 1
    Christian 

    „Diese Art der Rhetorik hat nicht die Diskussion oder die konstruktive Zusammenarbeit zum Ziel sondern die alleinige und blinde Durchsetzung eigener Ziele.“

    Ja, indem man sich, wie in dem verlinkten Blog dargestellt, die alleinige Definitionsmacht zuspricht, kann man jede Diskussion abwürgen. Es ist dann nur noch Diskussion innerhalb der eigenen Meinung und Zustimmung möglich.

    Was man in der Tat im Feminismus häufig antrifft

  2. 2
    harry 

    „WIE LEBE ICH DEN ANTISEXISMUS 101“ (Der Leitfaden für sinnvolle anti-sexisistische Internet-Diskussion)

    Du hast Dich in die einschlägige Feminismus-Literatur eingelesen? Du hast einige Gender-Studies Seminare besucht? Du bist mittlerweile sensibilisiert und Deine Augen wurden geöffnet, so dass Du den permanenten Sexismus überall auf Anhieb sehen kannst?
    Das ist wunderbar! Dann ist es jetzt an der Zeit, den Kampf gegen Blau und Rosa in die Welt hinauszutragen!

    Es ist kinderleicht mit dem bewährten „21 Schritte Plan“!

    Schritt 1:

    Finde einen Stein des Anstoßes. Tippe bei Google „Blog“ und „sexistisch“ ein. Lass Dir Ergebnisse anzeigen, die höchstens eine Woche alt sind. Du wirst sicher etwas finden. Eine aktuelle sexistische Werbekampagne oder ein sexistisches Musikvideo.

    Schritt 2:

    Schau Dir das sexistische Machwerk an. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten
    – Du fühlst Dich tatsächlich unwohl beim Anblick des Bildes/Videos. Es könnten Dir Gedanken kommen wie „vielleicht ist es nur mein persönlicher Geschmack, dass ich es nicht mag“. VERDRÄNGE DIESE GEDANKEN SOFORT! Sobald Du Dich unangenehm fühlst, MUSS es am sexistischen Inhalt liegen, denn Du bist schließlich dahingehend sensibilisiert.

    – Du fühlst Dich nicht angegriffen von dem Bild/Video. Analysiere dann so lange und interpretiere solange daran herum und hinein, bis Dein Ekel geweckt ist und Du das volle Ausmaß des männlichen Machotums darin abgebildet siehst. Das Zauberwort heißt „Details“, Watson. Du merkst, dass Du richtig konstruiert hast, wenn Du sagen kannst „Daran hat der Erschaffer des Werkes sicher nicht gedacht.“ Dann ist es tiefgehend genug. Vergiss nicht, die sprachliche Komponente bis ins Tausendstel zu analysieren!

    Schritt 3:

    Suche eine dazugehörige Forumsdiskussion. Die gibt es eigentlich immer. Melde Dich dazu sofort in dem jeweiligen Forum an, und fühle Dich, als wärst Du dort schon seit Jahren zuhaus.

    Schritt 4:

    Überfliege die Beiträge in dem Thread. Überfliegen solltest Du bitte wörtlich nehmen und Dich dabei an einem Jumbo Jet orientieren. Der fliegt sehr schnell und sehr hoch. Genaues Lesen der Beiträge wäre sowieso nicht gut. Am Ende würdest Du der Illusion erliegen, es wäre tatsächlich Diskussionsbereitschaft da.

    Schritt 5:

    Lese die Forenregeln und suche nach einem Paragraphen, in dem Sexismus vorkommt. Dort könnte z.B stehen „ Politische, sexistische, rassistische oder anderweitig anstößige Parolen, Texte, Nicknames, Avatare, Bilder und Links sind verboten.“

    Jetzt ist es sehr wichtig, dass Du das richtig interpretierst. Man könnte ja meinen, es sei vielleicht nur eine Aufforderung an die User, sich anständig zu verhalten.

    Falsch! Interpretiere es folgendermaßen: „ Die Moderatoren sind Experten in allen Fragen des Sexismus, verfügen über ein enormes Hintergrundwissen zu dem Thema und leben den Kampf gegen den Sexismus mit Feuereifer.“

    Schritt 6:

    Klasse! Du hast es bis hierher geschafft und kannst jetzt Deinen ersten Beitrag in dem Thread schreiben. Da Du die Forenregeln kennst, tust Du jetzt einfach mal irgendwas fordern. Ja, FORDERN! Das ist immer ein guter Einstieg. Fordere eine ausführliche Erklärung der Moderation oder des Boardbetreibers oder fordere Löschung oder fordere ein strikteres Vorgehen. Hauptsache Fordern! Denke an Schritt 3! Du hast Dich extra dafür im Forum angemeldet, also hast Du auch bestimmte Vorzugsrechte.

    Schritt 7:

    Ignoriere die Antworten auf Deine Forderung.

    Beschwere Dich über mangelnde Kritikfähigkeit des Erstellers und/ oder der Moderatoren. Beschwere Dich darüber, dass andere Meinungen (i.c. Deine) nicht zugelassen werden. (Verdränge dabei den Gedanken: „Mir wird doch eine Plattform gegeben, um mich zu äußern.!“)

    Schritt 8:

    Dein nächster Beitrag! Schreibe „Hier scheint sowieso die Meinung XY vorzuherrschen.“

    Die Meinung XY musst Du halt noch formulieren. Nimm dabei aber NICHT die tatsächliche Meinung, die Du beim Überfliegen des Threads wahrgenommen hast, sondern projiziere Deine Vorurteile und den ganzen Sexismus, den Du erlebt hast, sowie Dein Männerbild, um diese Meinung zu formulieren. Das was Du erlebt und gelesen hast, steht sicher auch bis jetzt so in dem Thread.

    Schritt 9:

    Lese Deinen Beitrag nochmal durch. Lese genau die Meinung XY, die vorherrscht, durch und rege Dich darüber auf, dass diese Meinung vorherrscht. Steigere Dich richtig rein! Du brauchst diese Aggression, um diskutieren zu können.

    Schritt 10:

    Die Aggression auf der Gegenseite fängt an zu brodeln. Die anderen Diskussionsteilnehmer ärgern sich, weil Ihnen etwas vorgeworfen wird. Das ist gut! Ein Stierkampf ist langweilig, wenn der Stier keine Lust hat. Ohne ein bißchen Öl ins Feuer zu gießen, macht der Kampf keinen Spaß. Tue aber so, als hätten sie keinen Grund, sich aufzuregen! (Das ist wichtig! Schließlich haben sie ja auch keinen Grund, sich aufzuregen).

    Schritt 11:

    Vergleiche die Machtstrukturen der Gesellschaft mit den Strukturen des Forums. Schreibe irgendwas von „weißen Männlichen“. Am besten nimmst Du das englische „whitemale“ und „supremacy“. Blende dabei aus, dass das in der amerikanischen Literatur mehr Sinn macht als in einem deutschen Forum. Verwende auch unbedingt den Begriff „Rape Culture“. Unbedingt! Auch wenn er Dir selber irgendwie doof vorkommt. Sage so oft „Rape Culture“ vor Dich hin, bis Du denkst, dass es irgendwie Sinn macht.

    Schritt 12:

    Auch wenn die Qualität des Bildes oder Videos eigentlich nicht zur Diskussion gehört, MUSST Du mindestens in einem Nebensatz erwähnen, wie schlecht es ist.

    Du zeigst damit: „Das Ding ist so schlecht, dass die Aufwertung für die breite Masse nur über sexistische Darstellung funktioniert.“

    Damit hast Du quasi NOCH EINEN BEWEIS, dass das Bild/Video sexistisch ist. Logisch konstruiert!

    Wenn es sich um Werbung handelt, dann sag Dir, DU bist Werbeexperte. Ist doch nur ein bißchen Kreativität und Photoshop. Also erwähne, dass es schlecht gemacht ist. Wenn es sich um ein Musikvideo handelt, bist Du genauso Experte. Was ist bei so einem Video schon dabei? Bißchen Darsteller und Location und Kulisse mieten, fertig. Mainstream Musik hat sowieso keinen Anspruch. Verdränge den Gedanken, dass der Komponist vielleicht ein wirklich guter Musiker ist, der Ben Hur Filmmusik in Variationen auf dem Klavier spielen kann, dass einem die Ohren schlackern.

    Schritt 12:

    Apropos Mainstream-Musik hat eh keinen Anspruch. Genau das kannst Du auf die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer anwenden. Die Mehrheit hat IMMER Unrecht, und die Meinung Vereinzelter hat IMMER mehr Bedeutung. Wenn also jemand schreibt, „die Mehrheit stört sich nicht an dem Bild/Video“, dann weißt Du wiederum, dass Du richtig liegst.

    Schreibe doch auch von der Mehrheit im dritten Reich. Ein guter Vergleich, um zu zeigen, dass die Mehrheit immer die Bösen sind.

    Schritt 13:

    Es wird immer wieder die Frage kommen „Was ist eigentlich Sexismus für Dich genau?“ Genauso „Was ist an dem Bild/Video denn eigentlich sexistisch?“ Lass Dich bloß nicht auf dieses Niveau herab! Da hilft nur Ignorieren. Wer Sexismus nicht selbst sofort erkennt, der ist sowieso völlig daneben.

    Schritt 14:

    Beschwere Dich über Vorurteile und Verallgemeinerungen. Behalte dabei aber IMMER im Kopf, dass DU das Sprachrohr für ALLE Frauen bist. Weil das so wichtig ist, hier nochmal wiederholt: „DU bist das Sprachrohr für ALLE Frauen.“ Wenn eine Frau nicht Deiner Meinung ist, dann liegt das daran, dass sie selber der chauvinistischen Gehirnwäsche erlegen ist.

    Schritt 15:

    Teile niemals Dein Wissen über Sexismus, sondern fordere die anderen auf, sich in einschlägige Literatur einzulesen. Pierre Bourdieu, Judith Butler… Sollte sowieso Pflichtlektüre sein. Ohne dieses Wissen KANN man nicht diskutieren.

    Schritt 16:

    Zitiere viel, denn das macht alles intensiver. Achte auf die goldene Grundregel beim Zitieren! „So kurz wie möglich!“ Zitiere also nie einen großen Teil des Textes, sondern immer nur kleine Ausschnitte. Du wirst merken, dass Du so einen neuen Sinn in diese Textpassagen hineinzaubern kannst, der Dein Anliegen noch verdeutlicht.

    Schritt 17:

    Antworte grundsätzlich nur auf wütende oder Dich angreifende Beiträge. Ignoriere Teilnehmer, die sachlich diskutieren wollen.

    Schritt 18:

    Es gibt eine Ausnahme. Wenn jemand sachlich ist und etwas behauptet, dann fordere von ihm oder ihr einen Beleg für die Behauptung. Bringt er oder sie tatsächlichen einen Beleg, dann ignoriere ihn danach einfach wieder und denke an Schritt 17. (Antworte nur auf Beiträge, die Dich angreifen).

    Schritt 19:

    Es lohnt sich nicht mehr zu diskutieren. Es kommt zu oft die Frage „Was genau ist denn jetzt daran sexistisch?“. So macht Diskutieren keinen Spaß.
    Die Lösung heißt jetzt „Warten“. Warte so lange, bis jemand schreibt „Alle Emanzen sind hässlich“.
    Das wird ganz sicher kommen. Es kommt immer! Ignoriere bis dahin ALLE anderen Beiträge!

    Schritt 20:

    Endlich hat einer geschrieben „Alle Emanzen sind hässlich“. Puh, dabei wurden die langweiligen Beiträge immer mehr.
    Du kannst Dich jetzt auf den finalen großen Schritt vorbereiten! Sammle alle Deine Verachtung und Deine ganze Kraft! Der nächste Schritt wird sie alle umhauen und verblüffen! Das wird deine nuclear weapon.

    Schritt 21:

    Antworte auf den „Alle Emanzen sind hässlich“- Beitrag. Sage, dass Du es Dir ja hättest denken können und dass sich so das Diskutieren nicht lohnt. Beende diese Antwort mit dem Sahnehäubchen, dem Rundumschlag, dem most sophisticated Attack ever. Du wirst sie mit Verachtung strafen:

    Schreibe: „Ich bin hier raus.“

    Epilog:

    Yeah, Du hast es geschafft! Du hast Dich gut geschlagen. Du stehst für Deine Sache ein.
    Wende Dich jetzt etwas einfachem ohne Forendiskussion zu. Schreibe zum Beispiel einen Kommentar zu einem Buffy Comic und beschwere Dich, dass da Lesben mit langen Haaren dargestellt werden, obwohl alle Lesben, die Du kennst, die Haare kurz tragen.

Leave a Reply » Registrieren / Anmelden